04104 Wasser als Standortfaktor: Wie Unternehmen ihre Risiken strategisch steuern
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Wasser wird für Unternehmen zunehmend zum strategischen Risiko: Niedrigwasser, Hochwasser, steigende Nutzungskonkurrenz und strengere Berichtspflichten gefährden Standorte, Lieferketten und Investitionen. Der Beitrag zeigt, warum besonders Unternehmen in Flussgebieten ihre Wasserabhängigkeiten systematisch analysieren sollten, welche Risiken aus Klimawandel und ökologischer Degradation entstehen und wie eine wasserbezogene Risikoanalyse nach ESRS gelingen kann. Fachverantwortliche erhalten Orientierung, wie sie Wasserrisiken bewerten, in Governance und Risikomanagement integrieren und durch wasserpositive Strategien sowie Kooperationen die Resilienz ihres Unternehmens stärken. von: |
1.1 Einleitung
Flusslandschaften prägen seit Jahrhunderten die wirtschaftliche, kulturelle und ökologische Entwicklung Deutschlands. Sie fungieren als Lebensadern und zentrale Achsen für Handel, Industrie und Energieversorgung. Flüsse wie Rhein, Elbe, Donau und Main haben die Entstehung von Industriestandorten maßgeblich beeinflusst und bilden bis heute die Grundlage wichtiger Wirtschaftsregionen und Verkehrskorridore.
Industrielle Standortvorteile
Die Nähe vieler Industrieunternehmen zu Flüssen erklärt sich historisch aus Standortvorteilen: Flüsse lieferten Brauch- und Kühlwasser, ermöglichten kostengünstigen Massengütertransport und boten durch flache Topografien Raum für großflächige, logistisch günstige Ansiedlungen. Diese multifunktionale Bindung führte zur Etablierung von Logistikzentren und integrierten Wertschöpfungsketten und wirkt bis heute fort, besonders in systemrelevanten Sektoren wie Chemie, Energieerzeugung, Montanindustrie und Logistik. Damit sind bestimmte Industrien direkt an die Funktionsfähigkeit und ökologische Stabilität der Flusssysteme gebunden.
Die Nähe vieler Industrieunternehmen zu Flüssen erklärt sich historisch aus Standortvorteilen: Flüsse lieferten Brauch- und Kühlwasser, ermöglichten kostengünstigen Massengütertransport und boten durch flache Topografien Raum für großflächige, logistisch günstige Ansiedlungen. Diese multifunktionale Bindung führte zur Etablierung von Logistikzentren und integrierten Wertschöpfungsketten und wirkt bis heute fort, besonders in systemrelevanten Sektoren wie Chemie, Energieerzeugung, Montanindustrie und Logistik. Damit sind bestimmte Industrien direkt an die Funktionsfähigkeit und ökologische Stabilität der Flusssysteme gebunden.
Ökosystemleistungen
Flussräume sind zugleich hochsensible Ökosysteme und Biodiversitätshotspots. Aquatische und ufernahe Systeme beherbergen viele Fischarten, Amphibien und Libellen und zählen in Mitteleuropa zu den artenreichsten Lebensräumen: Ein überproportional hoher Anteil gefährdeter Tier- und Pflanzenarten lebt hier. Diese Ökosysteme erbringen zahlreiche Dienstleistungen, die gesellschaftlich und wirtschaftlich bedeutsam sind. Dazu zählen die Bereitstellung von sauberem Prozess- und Kühlwasser, das einen unverzichtbaren Input für Energie- und Chemieindustrie darstellt, sowie die Sicherung von Schifffahrtswegen. Regulativ wirken sie durch Selbstreinigung des Wassers, was die Kosten der Wasseraufbereitung senkt, und durch naturnahen Hochwasserschutz: Intakte Auen dämpfen Hochwasserwellen und schützen Produktionsanlagen vor Überflutung.
Flussräume sind zugleich hochsensible Ökosysteme und Biodiversitätshotspots. Aquatische und ufernahe Systeme beherbergen viele Fischarten, Amphibien und Libellen und zählen in Mitteleuropa zu den artenreichsten Lebensräumen: Ein überproportional hoher Anteil gefährdeter Tier- und Pflanzenarten lebt hier. Diese Ökosysteme erbringen zahlreiche Dienstleistungen, die gesellschaftlich und wirtschaftlich bedeutsam sind. Dazu zählen die Bereitstellung von sauberem Prozess- und Kühlwasser, das einen unverzichtbaren Input für Energie- und Chemieindustrie darstellt, sowie die Sicherung von Schifffahrtswegen. Regulativ wirken sie durch Selbstreinigung des Wassers, was die Kosten der Wasseraufbereitung senkt, und durch naturnahen Hochwasserschutz: Intakte Auen dämpfen Hochwasserwellen und schützen Produktionsanlagen vor Überflutung.
Trotz dieser Bedeutung stehen Flussökosysteme unter massivem Druck. Verbauung, Gewässerausbau, chemische Belastungen und Klimawandelfolgen wie Trockenperioden und Extremhochwasser reduzieren die ökologische Qualität erheblich. Analysen zeigen bereits gravierende Substanzverluste: Deutschland verlor in den letzten zwei Jahrzehnten signifikante Wasserspeicher, und globale wie europäische Studien dokumentieren dramatische Rückgänge bei Süßwasserpopulationen und Amphibien. Viele Auen- und Gewässerbiotoptypen sind gefährdet, ein Anteil davon sogar vom vollständigen Verschwinden bedroht. Diese Entwicklung mindert die Belastbarkeit und Funktionsfähigkeit der Flusssysteme, auf die Industrieprozesse angewiesen sind.
Standortverwundbarkeit
Für Unternehmen in Flussgebieten entsteht daraus ein komplexes Spannungsfeld. Einerseits profitieren sie von historisch gewachsenen Standortvorteilen und der dauerhaften Bereitstellung ökologischer Dienstleistungen. Andererseits bedrohen Naturverluste, steigender Wasserbedarf und Extremereignisse wie die Dürresommer 2018 und 2022 die Betriebsgrundlagen. Mögliche Folgen sind eingeschränkte Schifffahrt, erhöhte Produktionsrisiken, höhere Kosten für Wasser- und Abwassermanagement sowie potenzielle Einschränkungen durch strengere Umweltauflagen. Das Versiegen oder die Überlastung dieser natürlichen Ressource stellt ein existenzielles Risiko für die Resilienz ganzer Wertschöpfungsketten dar.
Für Unternehmen in Flussgebieten entsteht daraus ein komplexes Spannungsfeld. Einerseits profitieren sie von historisch gewachsenen Standortvorteilen und der dauerhaften Bereitstellung ökologischer Dienstleistungen. Andererseits bedrohen Naturverluste, steigender Wasserbedarf und Extremereignisse wie die Dürresommer 2018 und 2022 die Betriebsgrundlagen. Mögliche Folgen sind eingeschränkte Schifffahrt, erhöhte Produktionsrisiken, höhere Kosten für Wasser- und Abwassermanagement sowie potenzielle Einschränkungen durch strengere Umweltauflagen. Das Versiegen oder die Überlastung dieser natürlichen Ressource stellt ein existenzielles Risiko für die Resilienz ganzer Wertschöpfungsketten dar.
Regulatorischer Druck
Hinzu kommt steigender Druck von regulatorischer und gesellschaftlicher Seite. Internationale und EU-weite Ziele (z. B. EU-Biodiversitätsstrategie 2030) [1] sowie Vorgaben wie die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) [2] erhöhen die Erwartungen an Unternehmen: Neben Treibhausgasemissionen und Energieverbrauch müssen auch Wasserressourcen und Biodiversität systematisch analysiert und offengelegt werden. Reputationsrisiken, verschärfte Anforderungen von Investorinnen und Investoren sowie gestiegenes öffentliches Interesse verstärken diese Forderungen. Unternehmen in Flussgebieten stehen somit unter doppeltem Druck: Sie müssen ihre historisch gewachsene Standortbindung strategisch überprüfen und gleichzeitig regulatorische sowie gesellschaftliche Anforderungen an Transparenz und nachhaltiges Ressourcennutzungsmanagement erfüllen.
Hinzu kommt steigender Druck von regulatorischer und gesellschaftlicher Seite. Internationale und EU-weite Ziele (z. B. EU-Biodiversitätsstrategie 2030) [1] sowie Vorgaben wie die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) [2] erhöhen die Erwartungen an Unternehmen: Neben Treibhausgasemissionen und Energieverbrauch müssen auch Wasserressourcen und Biodiversität systematisch analysiert und offengelegt werden. Reputationsrisiken, verschärfte Anforderungen von Investorinnen und Investoren sowie gestiegenes öffentliches Interesse verstärken diese Forderungen. Unternehmen in Flussgebieten stehen somit unter doppeltem Druck: Sie müssen ihre historisch gewachsene Standortbindung strategisch überprüfen und gleichzeitig regulatorische sowie gesellschaftliche Anforderungen an Transparenz und nachhaltiges Ressourcennutzungsmanagement erfüllen.
Resilienz sichern
In der Konsequenz sind Anpassungsstrategien nötig: Unternehmen sollten Standort- und Betriebsrisiken, Wasserabhängigkeiten sowie die Verwundbarkeit gegenüber Klimawandelfolgen systematisch bewerten und in Governance-, Risikomanagement- und Investitionsentscheidungen integrieren. Nur durch frühzeitiges Monitoring, Anpassungen im Wasser- und Flächenmanagement sowie Kooperationen mit Naturschutz und Behörden lässt sich die Resilienz gegenüber weiteren ökologischen Verschlechterungen verbessern und die langfristige Verfügbarkeit der für Industrieprozesse zentralen Ökosystemdienstleistungen sichern.
In der Konsequenz sind Anpassungsstrategien nötig: Unternehmen sollten Standort- und Betriebsrisiken, Wasserabhängigkeiten sowie die Verwundbarkeit gegenüber Klimawandelfolgen systematisch bewerten und in Governance-, Risikomanagement- und Investitionsentscheidungen integrieren. Nur durch frühzeitiges Monitoring, Anpassungen im Wasser- und Flächenmanagement sowie Kooperationen mit Naturschutz und Behörden lässt sich die Resilienz gegenüber weiteren ökologischen Verschlechterungen verbessern und die langfristige Verfügbarkeit der für Industrieprozesse zentralen Ökosystemdienstleistungen sichern.
1.2 Unternehmen in Flussgebieten – Studie von BDO und NABU [3]
Die Studie „Unternehmen in Flussgebieten – Wasser als Standortrisiko” von NABU und BDO analysiert die Wasserabhängigkeit börsennotierter deutscher Unternehmen und zeigt erhebliche Risiken auf. Sie untersucht 160 Firmen aus DAX, MDAX und SDAX mit rund 15.000 Standorten und betont, dass Flüsse für Produktion, Kühlung und Transport essenziell sind.
Wesentlichkeitslücke
Über ein Drittel der Unternehmen hat eine enge räumliche Nähe zu Flüssen, und etwa 60 Prozent sind durch ihr Geschäftsmodell mittel- bis hochgradig wasserabhängig. Betrachtet man die Unternehmen, bei denen beides zusammenfällt – also eine hohe geschäftliche Abhängigkeit und Standorte in unmittelbarer Flussnähe, sogenannte exponierte Unternehmen –, zeigt sich eine dramatische „Wesentlichkeitslücke”: 34 Prozent dieser hochgradig exponierten Unternehmen stufen Wasser in ihrer Berichterstattung als nicht wesentlich ein. Diese Lücke zeigt sich geografisch entlang großer Flüsse wie Rhein, Elbe und Donau, besonders in Branchen wie Chemie, Metallverarbeitung und Konsumgüter.
Über ein Drittel der Unternehmen hat eine enge räumliche Nähe zu Flüssen, und etwa 60 Prozent sind durch ihr Geschäftsmodell mittel- bis hochgradig wasserabhängig. Betrachtet man die Unternehmen, bei denen beides zusammenfällt – also eine hohe geschäftliche Abhängigkeit und Standorte in unmittelbarer Flussnähe, sogenannte exponierte Unternehmen –, zeigt sich eine dramatische „Wesentlichkeitslücke”: 34 Prozent dieser hochgradig exponierten Unternehmen stufen Wasser in ihrer Berichterstattung als nicht wesentlich ein. Diese Lücke zeigt sich geografisch entlang großer Flüsse wie Rhein, Elbe und Donau, besonders in Branchen wie Chemie, Metallverarbeitung und Konsumgüter.
Fehlende finanzielle Perspektive
Wassermangel, Qualitätsprobleme, Hochwasser oder Trockenperioden bedrohen Umsatz, Logistik und Standortstabilität, werden aber selten systemisch betrachtet. Selbst wenn Unternehmen das Thema Wasser in ihren Berichten aufgreifen, fokussieren sie sich meist nur auf ihren eigenen Einfluss auf die Umwelt (Inside-Out-Perspektive), etwa durch Verbrauchs- und Abwasserdaten. Was meist fehlt, ist die finanzielle Risikoperspektive (Outside-In): die konkrete Bewertung, wie hydrologische Veränderungen oder die Instabilität des gesamten Flusssystems den eigenen Umsatz, die Logistik oder die Anlagen gefährden.
Wassermangel, Qualitätsprobleme, Hochwasser oder Trockenperioden bedrohen Umsatz, Logistik und Standortstabilität, werden aber selten systemisch betrachtet. Selbst wenn Unternehmen das Thema Wasser in ihren Berichten aufgreifen, fokussieren sie sich meist nur auf ihren eigenen Einfluss auf die Umwelt (Inside-Out-Perspektive), etwa durch Verbrauchs- und Abwasserdaten. Was meist fehlt, ist die finanzielle Risikoperspektive (Outside-In): die konkrete Bewertung, wie hydrologische Veränderungen oder die Instabilität des gesamten Flusssystems den eigenen Umsatz, die Logistik oder die Anlagen gefährden.
1.3 Bedeutung für den Mittelstand
Da über 99 Prozent der Unternehmen in Deutschland dem Mittelstand bzw. den kleinen und mittleren Unternehmen angehören, wirkt sich die Flussexposition der Industrie im DAX, MDAX und CDAX zwangsläufig auch auf den Mittelstand aus. Der deutsche Mittelstand ist vor allem dort stark von Wasser aus Flüssen abhängig, wo er im verarbeitenden Gewerbe aktiv ist – insbesondere in Chemie, Metall, Papier und Lebensmittelwirtschaft – und in den großen Industrie- und Logistikclustern entlang von Rhein, Elbe und Donau. Das verarbeitende Gewerbe stellt zwar nur rund 5,5 Prozent der mittelständischen Unternehmen, trägt jedoch mit etwa 15–16 Prozent erheblich zu den Mittelstandsumsätzen bei und erwirtschaftet fast die Hälfte der Auslandsumsätze. Damit profitiert und leidet gerade dieser Bereich des Mittelstands am stärksten von industriellen Flussstandorten.
Strukturelle Abhängigkeit
Jährlich nutzen deutsche Unternehmen Milliarden Kubikmeter Wasser aus der Natur. Innerhalb der Industrie ist die Chemiebranche mit etwa 58 Prozent der größte Wasserabnehmer, gefolgt von den Bereichen Ernährung und Metall mit jeweils rund zehn Prozent sowie Papier mit etwa acht Prozent [4]. Da diese Sektoren in Deutschland stark mittelständisch geprägt sind, ist der Mittelstand strukturell in wasserintensive Branchen eingebunden, auch wenn die größten Einzelverbraucher häufig Großkonzerne sind.
Jährlich nutzen deutsche Unternehmen Milliarden Kubikmeter Wasser aus der Natur. Innerhalb der Industrie ist die Chemiebranche mit etwa 58 Prozent der größte Wasserabnehmer, gefolgt von den Bereichen Ernährung und Metall mit jeweils rund zehn Prozent sowie Papier mit etwa acht Prozent [4]. Da diese Sektoren in Deutschland stark mittelständisch geprägt sind, ist der Mittelstand strukturell in wasserintensive Branchen eingebunden, auch wenn die größten Einzelverbraucher häufig Großkonzerne sind.
